Der Leitfaden besteht aus textstrukturierenden Empfehlungen in Form von Handlungsanweisungen, die einerseits das dominante F-Muster-typische Leseveralten unterstützen – vergl. meine Arbeit Ratschläge zur Optimierung des menschlichen Blickverlaufs und Steuerung der Aufmerksamkeit in Webtexten (PDF) –, andererseits aber auch sicherstellen, dass wichtige Inhalte von den Webnutzenden auch dann gefunden werden, wenn ihr Leseverhalten nicht dem F-Muster entspricht.

Ziel dieser Handlungsanweisungen ist es, den Online-Redaktorinnen bzw. Content-Managern aufzuzeigen, wie sie die textbasierte «Benutzerführung» so mit visuell herausstechenden, strukturierenden Textelementen gestalten können, dass die Webnutzenden möglichst schnell zu derjenigen Information kommen, zu deren Auffindung sie sich ins «Netz» begeben haben.

Schreibe für «Scanbarkeit»

  • Strukturiere deine Artikel mit zwei oder gar drei Titelebenen (Titel erster, zweiter und dritter Ordnung).
  • Verwende Fettschrift anstatt Kursivschrift zur Hervorhebung von Schlüsselwörtern. Fettschrift ist in Webtexten die bevorzugte Wahl, wenn es um die Hervorhebung von Wörtern geht.
  • Kursivschrift kann zur Hervorhebung von Bildunterschriften, betonten Sätzen oder Redewendungen eingesetzt werden. Verwende die Kursivschrift allerdings nicht für längere Textblöcke, da diese online langsamer zu lesen ist.
  • Farbiger Text oder farbiger Texthintergrund kann auch zur Hervorhebung genutzt werden. Verwende aber nicht Blau zur Hervorhebung von Wörtern. Blau ist zur Markierung von Hyperlinks reserviert.
  • Hyperlinks sind in der Regel farbig. Sie heben sich also sozusagen von allein vom restlichen Text ab. Nutze diese Eigenschaft aus, indem du bei der Formulierung von Links Schlüsselwörter verwendest.
  • Hebe nur Wörter hervor, die Schlüsselinformationen enthalten. Vermeide das Hervorheben ganzer Sätze oder langer Satzteile. Das scannende Auge kann lediglich zwei höchstens drei Wörter aufs Mal wahrnehmen.
  • Aufzählungslisten verlangsamen die Bewegung des scannenden Auges und können es so auf wichtige Punkte lenken.
  • Jeder Absatz sollte eine Hauptidee, ein Hauptthema enthalten. Nutze einen zweiten Absatz für eine zweite Idee, ein zweites Thema. Webnutzende tendieren beim Scannen eines Paragraphen dazu, einen zweiten Themenpunkt zu überspringen.

Am Bildschirm sind Texte, die in kurze, leicht zu scannende Einheiten aufgeteilt sind, einfacher zu lesen.

Schreibe kurz und bündig

  • Schreibe nicht mehr als die Hälfte des Textumfanges, den du für ein gedrucktes Medium genutzt hättest.
  • Vermeide lange Textpassagen. Lockere deinen Text stattdessen auf und strukturiere ihn mittels Untertiteln, Absätzen und Aufzählungslisten.
  • Platziere lange und detaillierte Hintergrundinformationen auf einer Unterseite (vergl. Schichtung von Informationen).
  • Beginne deinen Text mit einer kurzen Zusammenfassung und gehe danach ins Detail. Mit anderen Worten: Positioniere die wichtigsten Inhalte zuoberst.
  • Verwende einfache Satzstrukturen; also aneinandergereihte Haupt- und Nebensätze. Vermeide verschachtelte Haupt- und Nebensätze.

Strukturiere deine Informationen

  • Gruppiere verwandte, das heisst zusammengehörige Elemente, indem du die einzelnen Bereiche einheitlich gestaltest.
  • Breche den Text in kleine, leicht zu scannende Portionen auf: schreibe also möglichst kurze Absätze oder bilde, wo inhaltlich passend, Aufzählungslisten.
  • Hebe wichtige Informationen mittels Schriftgrösse, Schriftfarbe oder Abstand von anderen Informationseinheiten ab.

All dies befähigt deine Leser, deine Inhalte auf den ersten Blick einzuordnen und es beschleunigt den Scan-Prozess des Lesers in seiner Suche nach den für ihn passenden Informationen.

Vermeide Redundanzen

Die mehrfache Erwähnung von an sich identischen Inhalten mit Ziel, dem Nutzer erhöhte Wichtigkeit dieser Elemente zu signalisieren schmälert eher die Wirkung. Redundante Inhalte können schnell einmal eine Website überladen; die einzelnen Inhaltselemente, die im Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit allen anderen sie umgebenden Informationen stehen, gehen dann in der Masse von Informationen unter. Um ein Inhaltselement hervorzuheben, hebe es dezidiert an einem Ort hervor.

Auf der anderen Seite, kann die Mehrfacherwähnung von einem Inhaltselement den Nutzer bei seiner Suche unterstützen, nämlich dann, wenn derselbe Inhalt verschiedenen Kategorien zugeordnet ist. Oder die Webseite enthält mehrere Links, die zur gleichen Seite verweisen. Diese Links sollten dann aber jeweils unterschiedliche Schlüsselwörter enthalten. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Webnutzenden bei ihrer Suche unterschiedliche Stichwörter für gleiche Inhalte verwenden.

Schichtung von Informationen

Die Schichtung von Informationen bezieht sich auf die Methode, kleine Informationshäppchen zu einem Artikel, einem Thema oder einem Produkt auf der Homepage oder der Pathway Page* zu platzieren. Diese Informationshäppchen enthalten einen Link, der auf eine Unterseite – der so genannten Informationsseite – mit mehr Informationen weiterleitet. Informationsseiten können wiederum als Verzeichnisseiten dienen mit Links zu weiteren Seiten; Seiten, die die Thematik weiter vertiefen, nebensächliche oder themenverwandte Informationen enthalten.

* Eine Pathway Page kann man sich wie eine Art Inhaltsverzeichnis vorstellen.

Schematische Darstellung in Diagrammform. Sie zeigt, wie Informationen zu einem Thema auf verschiedene Webseiten verteilt werden können.
Schichtung von Informationen.

Informationsschichtung bietet die Möglichkeit, Webinhalte in Portionen zu segmentieren. Wenn sie gut umgesetzt ist, dann ist die Schichtung ein probates Mittel um:

  • Webnutzende davor zu bewahren, dass sie beim «Landen» auf einer Webseite gleich auf den ersten Blick von einem Schwall an Informationen überwältigt werden.
  • Webnutzende genau auf die Information zu lenken, die sie speziell für sich von einem Thema erwarten.

Teaser

Titel und Teaser dienen als Mittel, die Webnutzenden zum Lesen des Artikels zu motivieren. Das ultimative Ziel ist, die Webnutzenden zum Klicken auf den Artikel-Link zu verleiten.

Kennzeichen von Teasern

Der Teaser führt kurz und prägnant in das Thema ein mit dem Ziel, das Interesse des potentiellen Lesers soweit stimulieren, dass dieser bereit ist, sich den Artikel genauer anzuschauen. Der Teaser oder Teile von ihm enthalten ein Link, der zum Artikel führt. Der Artikel selbst setzt sich aus Titel, Lead bzw. Abstrakt und Text zusammen. Der Titel des Artikels muss zwingend das wichtigste Stichwort des Teaser-Titels enthalten.

Titel und Teaser sind eng miteinander verbunden:

  • Der Titel bringt den Inhalt des Artikels mit maximal sechs Wörtern auf den Punkt.
  • Der Teaser bringt mit bedeutungsstarken Schlüsselwörtern die Kernaussage des Textes bzw. Artikels zum Ausdruck. Bestimmte Schlüsselwörter können mittels Fettschrift hervorgehoben werden.

Teaser-Typen

Titel-Teaser

Der ganze Teaser dient als Hyperlink. Er besteht aus maximal 10 Wörtern und muss für sich alleine stehen können. Das heisst, der Leser muss allein anhand des Titel-Teasers erkennen können, um was es im verlinkten Artikel geht.

Titel plus Text

Der Titel dient als Hyperlink. Der Teaser selbst endet mit einem verlinkten Symbol: >> oder Wort: mehr…

Teaser mit Bild als Eyecatcher

Längere Teaser enthalten oftmals ein Bild, das als so genannter Eyecatcher (Blickfang) dienen soll. Die Grösse dieses Bildes sollte nicht zu dominant sein, aber auch nicht zu dezent.

Zusammengesetzte Teaser

Teaser mit Bild und Titel-plus-Text-Teaser enthalten oftmals eine Liste aus Titel-Teasern. Diese Titel-Teaser verweisen auf ältere Artikel, die in einer Beziehung zum aktuellen Artikel stehen.

Bevorzugte Positionen der Teaser

Teaser finden sich in der Regel auf den Homepages von Websites (Verbund von Webseiten) und Subsites sowie auf Pathway Pages. Sie können aber auch auf Informationsseiten platziert werden, wo sie auf Webseiten (Webpages) mit weiteren Informationen verweisen.

Überschriften

Eine Überschrift ist eine ultrakurze Zusammenfassung des nachfolgenden Texts.

  • Erstelle aussagekräftige Überschriften: Teile den Webnutzenden mit, um was es auf der Webseite oder im Textabschnitt geht.
  • Bringe in nicht mehr als 40 bis 60 Zeichen (zwei bis sechs Worte) deutlich zum Ausdruck, um was es auf der Webseite geht.
  • Setze die bedeutungsstärksten Wörter (zentrale Schlüsselbegriffe) an den Anfang der Überschrift.

Auf den Punkt gebracht:

  • Die Überschrift muss für sich allein stehen können.
  • Die Überschrift muss einen Sinn ergeben, auch wenn der restliche Text nicht zur Verfügung steht.
  • Schreibe in verständlicher Sprache: keine Wortspiele, keine Andeutungen oder Mehrdeutigkeiten.
  • Webnutzende lesen oftmals nur die herausgehobenen Überschriften und überspringen den grössten Teil des nachfolgenden Textes.

Typographie

Versalschrift

Vermeide Versalschreibweisen (Schreibung in Grossbuchstaben). DIE ANEINANDERREIHUNG VON GROSSBUCHSTABEN erschwert das Lesen. Ausserdem hinterlässt die Versalschreibweise den Eindruck, als ob man angeschrien würde, was einfach nur unhöflich wirkt.

Kursivschrift

Vermeide die Schreibung längerer Textpassagen in Kursivschrift. Die meisten Browser verwenden beim Wiedergeben von Text keine echten Kursivschriften; sie stellen einfach die geraden Zeichen schräg. Diese so genannten kursivierten Schriftschnitte sind sehr schwer zu lesen.

Grossbuchstaben, Fett- und Kursivschrift

Vermeide dreifache Text-Hervorhebungen in GROSSBUCHSTABEN, FETT- UND KURSIVSCHRIFT. Das ist schlicht übertrieben.

Ausrufezeichen

Ausrufezeichen wenn immer möglich vermeiden. Sie gehören nicht in professionell geschriebene Texte. Ausrufezeichen wirken chaotisch und laut. – Schreie deine Nutzer nicht an.

Aufzählungslisten

Auf Webseiten können generell längere Aufzählungslisten verwendet werden als in Druckerzeugnissen.

  • Verwende nummerierte Listen, wenn die Reihenfolge der Einträge wichtig ist.
  • Verwende unnummerierte Listen, wenn die Reihenfolge der Einträge nicht wichtig ist.
  • Beschränke die Einträge einer einzelnen Liste auf insgesamt 9 Einträge.
  • Beschränke die Ebenen der Liste auf insgesamt 2 Ebenen: eine primäre und eine sekundäre.
  • Achte auf die parallele Textstruktur: Verwende also wenn immer möglich für die einzelnen Listeneinträge die gleiche Satzstruktur und gleiche Wortformen.

Abkürzungen und Akronyme

Akronyme sind aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurzwörter (zum Beispiel «UNZ» aus «Universitäres Notfallzentrum»). Bei der ersten Nennung sind diese auszuschreiben gefolgt vom Akronym in Klammer: «Universitäres Notfallzentrum (UNZ)». Anschliessend im Text nur noch das Akronym verwenden. Weit verbreitete Abkürzungen wie zum Beispiel «DVD» müssen nicht ausgeschrieben werden, da diese für sich selber stehen können. Vermeide im Speziellen nicht etablierte, also allgemein nicht verständliche Akronyme als Hyperlinks zu verwenden.

Links

Links sind eine Art Ruhepunkte (Hotspots), auf denen das scannende Auge der Webnutzenden einen Moment verweilt bzw. innehält.

  • Verlinke nicht zu externen Seiten, wenn die Informationen auf der Seite selbst übersichtlich platziert werden können.
  • Erwähne im Text nicht, dass du Links zur Verfügung stellst. Aussagen wie «Klicken Sie auf diesen Link.» sind pleonastisch. Webnutzende wissen, dass sie auf Links klicken können.
  • Beschreibe im Link prägnant den Inhalt, den die Webnutzenden erwartet («sprechende Links»), wenn sie auf den Link klicken. Oder verwende direkt die Linkadresse, falls diese aussagekräftig und kurz ist.
  • Verlinke nur aussagekräftige bzw. bedeutungsstarke Begriffe.
  • Ein Link sollte nicht länger als zwei bis vier Worte sein. Zu lange Links erschweren beim Scannen die Bedeutungserfassung.
  • Verlinke zu externen Seiten, um zusätzliche Informationen wie Definitionen von Begriffen und Abkürzungen, thematisch verwandte Informationen oder Hintergrundinformationen zur Verfügung zu stellen.
  • Gruppiere, wo passend, querverweisende Links unter der Überschrift wie «Siehe auch» oder ähnlich.
  • Stelle sicher, dass die wichtigsten Links für die Webnutzenden ohne scrollen sichtbar sind.

Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus meiner Arbeit Schreiben im Web: Ratschläge zur Optimierung des menschlichen Blickverlaufs und Steuerung der Aufmerksamkeit in Webtexten (PDF)

Mike Konia

Sprache, Politik, Ökonomie, Alltägliches und Kurioses