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Vermaledeite Auslassungspunkte

Vermaledeite Auslassungspunkte

Mike Konia

Sehr geehrte Frau B

Ich begrĂŒsse Ihre Serie zur Typographie sehr. Was mich dagegen betrĂŒbt, ist, dass offenbar auch bei Ihnen das Wissen um den korrekten Gebrauch der Auslassungspunkte verloren gegangen ist. Bereits am Schluss des ersten Paragraphen des Artikels Zitat & Co sticht Ihre Setzung der Auslassungspunkte ĂŒbel ins Auge. Sie wissen offensichtlich nicht, dass man auch bei der Setzung von Auslassungspunkten zwischen Syntax und Morphologie unterscheidet. “Diese Frage wollen wir klĂ€ren... .”, schreiben Sie und lassen sich gleich zwei Verstösse zu Schulde kommen. Erstens gegen die Grammatik: Ihre Auslassungspunkte schliessen ohne Leerschlag an das Wort an; signalisieren also fĂ€lschlicherweise, dass ein Teil des Wortes ausgelassen wird (Morphologie), gemeint ist aber, dass der Satz oder Text abbricht (Syntax). Zweitens gegen das Ă€sthetische Prinzip (Vermeide verwirrende Schriftbilder!): Sie fĂŒgen diesen Auslassungspunkten noch einen Schlusspunkt an, der wohl signalisieren soll, dass Ihre Auslassung nicht ins Nirwana fĂŒhrt, sondern halt doch irgendwo und -wann ein Ende nimmt. Hinter Auslassungspunkten steht aber kein besonderer Satzschlusspunkt.

Leider geht ganz allgemein im Verlagswesen immer mehr das Wissen um den korrekten Gebrauch der unscheinbaren, aber wirkungsvollen drei PĂŒnktchen verloren. Deshalb sei es hier noch einmal mit dem Duden gesagt:

Drei Auslassungspunkte werden gesetzt, wenn eine Rede abgebrochen oder ein Gedankenabschluss verschwiegen wird: Der Horcher an der Wand ... Sie sagte: “Am besten wĂ€re es, ich wĂŒrde ...” “Du bist ein verdammtes A...!”, brĂŒllte er. (Vor und nach den Auslassungspunkten lĂ€sst man den normalen Wortzwischenraum, wenn sie fĂŒr ein oder mehrere Wörter stehen. Bei Auslassung eines Wortteils schließt man sie unmittelbar an den Rest des Wortes an.)

Die Auslassungspunkte stehen ferner bei Zitaten, um die Weglassung von entbehrlichen Wortteilen, Wörtern, Satzteilen oder SĂ€tzen zu bezeichnen. Mit Auslassungszeichen also: ”Ich heiße Paul!”, schloss er seinen Bericht ... und schritt ... hinaus.” Ohne Auslassungszeichen: ”Ich heiße Paul!”, schloss er seinen Bericht, den er mit lexikalischer Sachlichkeit gab, lĂ€chelte gewinnend, machte einen gezierten, ironischen Diener und schritt mit steigenden, gleichwie aufgezogenen Schritten vogelartig hinaus. (Erhart KĂ€stner)

Hinter den Auslassungspunkten steht kein besonderer Satzschlusspunkt: Ehen werden im Himmel geschlossen ... Aber mit Klammern: Sie erinnerte sich an die Redensart (Ehen werden im Himmel geschlossen ...). Der Schlusspunkt eines vorangehenden Satzes darf nicht in die Auslassungspunkte einbezogen werden: Der Kontokorrentkredit wird ... als gedeckter Kredit gewĂ€hrt. ... ein Kredit, der in laufender Rechnung ... zur VerfĂŒgung gestellt wird. Dasselbe gilt fĂŒr den AbkĂŒrzungspunkt: Frankfurt a. M. ...

Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007

Alles klar? Hoffentlich.

Mit gepunkteten GrĂŒssen
Mike Konia