Sehr geehrte Frau B

Ich begrüsse Ihre Serie zur Typographie sehr. Was mich dagegen betrübt, ist, dass offenbar auch bei Ihnen das Wissen um den korrekten Gebrauch der Auslassungspunkte verloren gegangen ist. Bereits am Schluss des ersten Paragraphen des Artikels Zitat & Co sticht Ihre Setzung der Auslassungspunkte übel ins Auge. Sie wissen offensichtlich nicht, dass man auch bei der Setzung von Auslassungspunkten zwischen Syntax und Morphologie unterscheidet. “Diese Frage wollen wir klären... .”, schreiben Sie und lassen sich gleich zwei Verstösse zu Schulde kommen. Erstens gegen die Grammatik: Ihre Auslassungspunkte schliessen ohne Leerschlag an das Wort an; signalisieren also fälschlicherweise, dass ein Teil des Wortes ausgelassen wird (Morphologie), gemeint ist aber, dass der Satz oder Text abbricht (Syntax). Zweitens gegen das ästhetische Prinzip (Vermeide verwirrende Schriftbilder!): Sie fügen diesen Auslassungspunkten noch einen Schlusspunkt an, der wohl signalisieren soll, dass Ihre Auslassung nicht ins Nirwana führt, sondern halt doch irgendwo und -wann ein Ende nimmt. Hinter Auslassungspunkten steht aber kein besonderer Satzschlusspunkt.

Leider geht ganz allgemein im Verlagswesen immer mehr das Wissen um den korrekten Gebrauch der unscheinbaren, aber wirkungsvollen drei Pünktchen verloren. Deshalb sei es hier noch einmal mit dem Duden gesagt:

Drei Auslassungspunkte werden gesetzt, wenn eine Rede abgebrochen oder ein Gedankenabschluss verschwiegen wird: Der Horcher an der Wand ... Sie sagte: “Am besten wäre es, ich würde ...” “Du bist ein verdammtes A...!”, brüllte er. (Vor und nach den Auslassungspunkten lässt man den normalen Wortzwischenraum, wenn sie für ein oder mehrere Wörter stehen. Bei Auslassung eines Wortteils schließt man sie unmittelbar an den Rest des Wortes an.)

Die Auslassungspunkte stehen ferner bei Zitaten, um die Weglassung von entbehrlichen Wortteilen, Wörtern, Satzteilen oder Sätzen zu bezeichnen. Mit Auslassungszeichen also: ”Ich heiße Paul!”, schloss er seinen Bericht ... und schritt ... hinaus.” Ohne Auslassungszeichen: ”Ich heiße Paul!”, schloss er seinen Bericht, den er mit lexikalischer Sachlichkeit gab, lächelte gewinnend, machte einen gezierten, ironischen Diener und schritt mit steigenden, gleichwie aufgezogenen Schritten vogelartig hinaus. (Erhart Kästner)

Hinter den Auslassungspunkten steht kein besonderer Satzschlusspunkt: Ehen werden im Himmel geschlossen ... Aber mit Klammern: Sie erinnerte sich an die Redensart (Ehen werden im Himmel geschlossen ...). Der Schlusspunkt eines vorangehenden Satzes darf nicht in die Auslassungspunkte einbezogen werden: Der Kontokorrentkredit wird ... als gedeckter Kredit gewährt. ... ein Kredit, der in laufender Rechnung ... zur Verfügung gestellt wird. Dasselbe gilt für den Abkürzungspunkt: Frankfurt a. M. ...

Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007

Alles klar? Hoffentlich.

Mit gepunkteten Grüssen
Mike Konia

Mike Konia

Sprache, Politik, Ökonomie, Philosophie, Literatur, Alltägliches, Kurioses